So möchten wir den Bewohnern des Strehlitzer Landes die Wiedergeburt des Strehlitzer Lebkuchens präsentieren.

Von einer mittelalterlichen Legende zu einer modernen Touristenattraktion von Strzelce Opolskie

Elemente der Legende und ihre Verbindung zur Gegenwart

Bei meinen Nachforschungen zu Ereignissen aus der Geschichte des Strehlitzer Landes greife ich immer wieder auf Materialien aus den sogenannten „Heften von Ernst Morawitzki“ zurück. Morawitzki war ein lokaler Heimatforscher und Lehrer aus Szymiszów, der vor etwa hundert Jahren zahlreiche Informationen zusammentrug – unter anderem aus dem Stadtarchiv von Groß Strehlitz, dem Schlossarchiv der Freien Standesherrschaft Groß Strehlitz sowie aus weiteren Quellen, die ihm damals zugänglich waren.
An dieser Stelle möchte ich auch meinem verstorbenen Freund Karol Mutz aus Szymiszów meine Dankbarkeit aussprechen. Vor Jahren stellte er mir für meine Forschungen seine privaten Sammlungen zur Verfügung und erlaubte mir, den archivalischen Nachlass von Ernst Morawitzki und dessen Vater, der ebenfalls Lehrer und lokaler Chronist war, fotografisch zu dokumentieren.
Eines der Ergebnisse dieser Nachforschungen ist die Rekonstruktion von Fragmenten einer vergessenen Tradition des Strehlitzer Lebküchnerhandwerks. Einen besonderen Platz nimmt dabei ein Lebkuchen ein, der „Glücksfrosch“ – „Żaba Szczęścia“ genannt wurde.

Die Geschichte dieses Gebäcks ist nicht nur aus lokalhistorischer Sicht interessant. Sie vereint mehrere Elemente, aus denen eine außergewöhnliche Werbegeschichte für Strzelce Opolskie entstehen kann: eine mittelalterliche Legende, die örtliche Lebkuchentradition, die Geschichte der Familie Maywalder (Maiwälder) sowie das bis heute vorhandene Froschmotiv am Brunnen vor dem Strehlitzer Rathaus.
Der Glücksfrosch könnte ein unvergessliches Geschenk für die Besucher unserer Stadt sein – sowohl für Gäste aus dem In- und Ausland als auch insbesondere für offizielle Gäste der Stadtverwaltung.


Der Brauch, Strehlitzer Lebkuchen zu verschenken, könnte zu einem festen Bestandteil der neu belebten Strehlitzer Tradition werden.


So bereiten wir die Premiere des wieder zum Leben erweckten Strehlitzer Lebkuchens, des Glücksfrosches, vor. Nach einem alten Rezept und entsprechend der in Morawitzkis Heften überlieferten Beschreibung seines Aussehens hergestellt, klopft der Geist des vergessenen Glücks des Strehlitzer Lebküchnerhandwerks wieder an unsere Herzen – und an unsere Mägen.
1241 – die Legende von den Fröschen, die die Strehlitzer Burg retteten
Diese Geschichte führt uns zunächst in das 13. Jahrhundert.
Nach einer in den „Heften von Morawitzki“ überlieferten Erzählung soll sich während des Einfalls mongolischer Truppen in Schlesien im April 1241 spät in der Nacht eine große Aufklärungsabteilung der Strehlitzer Kastellanei genähert haben.
Die damalige Burganlage war von Sümpfen, Überschwemmungsgebieten und feuchtem Gelände umgeben. Der Legende zufolge ertönte, als sich die Mongolen auf einen Überraschungsangriff vorbereiteten, plötzlich das heftige Quaken Tausender Frösche, die in den umliegenden Sümpfen lebten.
Der Lärm soll die Wachen und die Bewohner der Burg alarmiert haben.
Die Strehlitzer Verteidiger konnten sich noch rechtzeitig auf den Kampf vorbereiten, und die Bogenschützen sollen den Angreifern schwere Verluste zugefügt haben. Daraufhin gaben die Mongolen ihren weiteren Angriff auf.
Morawitzki zufolge soll sich dieses Ereignis vermutlich in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1241 zugetragen haben. Es handelt sich dabei jedoch in erster Linie um eine lokale Überlieferung und Legende und nicht um eine durch zeitgenössische historische Dokumente bestätigte Tatsache.
Die Erzählung berichtet weiter, dass die Rettung nicht von Dauer war. Beim Rückzug der mongolischen Truppen nach ihrem Feldzug durch Schlesien soll die Strehlitzer Befestigungsanlage niedergebrannt worden sein. Diesmal konnten sich die Bewohner jedoch, in Erinnerung an die frühere Gefahr, rechtzeitig in den umliegenden Wäldern verstecken.
In der lokalen Überlieferung wurde der Frosch somit nicht zum Symbol für etwas Gewöhnliches, sondern zu einem Glücksbringer, der vor Gefahren warnte und den Bewohnern das Leben rettete.
Morawitzki hielt außerdem weitere örtliche Geschichten mit diesem Motiv fest, darunter:
- „Wie die Frösche die Bewohner der Strehlitzer Kastellanei retteten“,
- „Vom Goldenen Frosch aus der Quelle von Rożniątów“,
- „Wie sich der Frosch im Bach von Szymiszów in einen Wassermann verwandelte“,
- „Wie die Frösche die Mönche des Klosters von Jemielnica vor dem Hungertod retteten“,
- „Das Geheimnis des Brunnens von Zimna Wódka“,
- „Der verzauberte Frosch“.
Dies zeigt, dass das Froschmotiv in der lokalen Folklore des Strehlitzer Landes wesentlich weiter verbreitet war.
19. Jahrhundert – Maywalder und die Strehlitzer Lebkuchentradition
Die nächste Etappe dieser Geschichte führt in das 19. Jahrhundert und zum Wirken der Familie Maywalder.
Den von Morawitzki überlieferten Materialien zufolge betrieb diese Familie in Groß Strehlitz eine Lebkuchenmanufaktur an der Krakauer Straße.
Gerade hier soll die Legende vom glückbringenden Frosch mit dem örtlichen Konditorhandwerk verbunden worden sein.
So entstand ein Lebkuchen in Form eines Frosches – der Glücksfrosch, auf Polnisch „Żaba Szczęścia“.
Es war kein gewöhnliches Gebäck.
Der Lebkuchen hatte eine charakteristische Form. Seine Oberfläche wurde mit Zuckerguss verziert, der die Umrisse des Körpers, die Füße, den Kopf, das Maul und die Augen des Frosches hervorhob.
Man kaufte ihn als Geschenk sowie als Zeichen des Glücks und des Wohlwollens. Nach den erhaltenen Überlieferungen wurde er nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auch zu Ostern und anderen Anlässen angeboten.
Auf diese Weise verwandelte sich die alte Legende in etwas Greifbares – in einen Gegenstand, den man kaufen, verschenken und mit nach Hause nehmen konnte.
Für Besucher konnte der Lebkuchenfrosch ein Andenken an Strzelce sein, für die Einwohner hingegen ein Symbol ihrer eigenen Stadt.
1846 – ein Fest und die Verbreitung der lokalen Erzählung
In Morawitzkis Aufzeichnungen kommt einem feierlichen Fest im Juli 1846 eine besondere Bedeutung zu.
In den Berichten über dieses Ereignis werden der Lebküchner Maywalder sowie Geschichten über örtliche Backwaren und über den Ursprung der in Schlesien gebräuchlichen Bezeichnung „Kreppel“ für einen Krapfen erwähnt.
Diesem Thema habe ich eine gesonderte Ausarbeitung gewidmet.



Für die Geschichte des „Glücksfrosches“ ist jedoch vor allem von Bedeutung, dass lokale Sagen im 19. Jahrhundert nicht mehr nur mündlich weitererzählt wurden. Man griff sie bei Festen und Zusammenkünften sowie im örtlichen Handwerk auf.
So begann die Geschichte gemeinsam mit dem Produkt weiterzuleben.
Anfang des 20. Jahrhunderts – der Lebkuchen als örtliches Andenken
Noch vor dem Ersten Weltkrieg soll der Lebkuchenfrosch zu den bekannten Erzeugnissen der Strehlitzer Lebküchner gehört haben.
Dies war ein einfacher, aber äußerst wirksamer Mechanismus zur Entstehung einer lokalen Tradition: eine charakteristische Form, eine leicht einprägsame Legende und die Möglichkeit, das Produkt mit nach Hause zu nehmen.
Gerade diese Verbindung von Geschichte und einem konkreten Erzeugnis führte dazu, dass zahlreiche Lebkuchentraditionen in anderen europäischen Städten bis heute überdauert haben.
Das bekannteste polnische Beispiel ist Toruń.
Die Geschichte des dortigen Lebküchnerhandwerks reicht mindestens bis in das 14. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Lebkuchen zu einem der wichtigsten Symbole der Stadt. Heute gibt es dort das Museum des Thorner Lebkuchens, es werden Backworkshops veranstaltet, und der Lebkuchen gilt als eines der wichtigsten Mitbringsel aus Toruń.
Das Beispiel Toruń zeigt, dass ein örtliches Gebäck viel mehr sein kann als nur ein Konditoreiprodukt. Es kann zugleich Andenken, historische Erzählung, Bildungsangebot, Attraktion für Kinder, Wahrzeichen der Stadt und touristisches Produkt sein. Moderne Thorner Einrichtungen pflegen die Lebkuchentradition außerdem durch Workshops, Veranstaltungen und die aktive Beteiligung der Besucher.
1927–1929 – die Frösche kommen auf den Strehlitzer Ring
In den 1920er-Jahren schließt sich der Kreis dieser Geschichte auf interessante Weise.
Im Frühjahr 1927 wurde das Stadtmuseum in Groß Strehlitz feierlich eröffnet. Den Materialien Morawitzkis zufolge entstand in diesem Umfeld die Idee, auf dem Ring einen neuen Brunnen und ein Denkmal zu errichten, die auf die Geschichte der Stadt Bezug nehmen sollten.
Zwei Jahre später, 1929, wurde vor dem Rathaus ein Brunnen mit der Figur eines Jägers beziehungsweise Schützen aufgestellt.
Die zentrale Figur zeigt einen kräftigen Mann in stilisierter historischer Kleidung, mit Kopfbedeckung, Armbrust, Tasche und Jagdhund.
Die Figur des Schützen nahm Bezug auf den Namen der Stadt.
Ein wesentlich rätselhafteres Element der Komposition waren jedoch die kleinen Froschfiguren an den Brunnenschalen.
Gerade sie verbinden das Denkmal mit der alten örtlichen Überlieferung.
Eine verfügbare neuere Abhandlung über den Brunnen gibt an, dass er von Peter Lipp entworfen und vom Gleiwitzer Hüttenamt ausgeführt wurde. Der Brunnen wurde 1929 auf dem Ring vor dem Rathaus aufgestellt.
In älteren Materialien erscheint auch der Name Theodor Kalide. Er kann jedoch nicht der Urheber eines in den 1920er-Jahren entstandenen Entwurfs gewesen sein, da der Künstler bereits 1863 in Gleiwitz starb.
Die Beteiligung der einzelnen Personen an der Entstehung des Denkmals bedarf daher weiterer Archivrecherchen.
Das Froschmotiv selbst bleibt jedoch von außerordentlicher Bedeutung.
Sollte es sich bewusst auf die örtliche Legende beziehen, so verankerte der Brunnen jene Geschichte im Stadtraum, die zuvor bereits im Lebkuchen-„Glücksfrosch“ ihren Ausdruck gefunden hatte.
Auf diese Weise entstand eine außergewöhnliche Abfolge:
Legende → Lebkuchen → Glückssymbol → Stadtbrunnen → heutige Identität von Strzelce.
21. Jahrhundert – es ist Zeit, den „Glücksfrosch“ wiederzubeleben
Strzelce Opolskie besitzt heute etwas, wonach viele Städte erst noch suchen: eine eigene Geschichte, ein eigenes Symbol und die Möglichkeit, daraus ein unverwechselbares regionales Produkt zu entwickeln.
Diese Geschichte muss nicht erfunden werden. Es gibt sie bereits. Der Frosch kommt in einer alten Legende vor. Er ist in Morawitzkis Überlieferungen präsent. Er erscheint in der Geschichte des örtlichen Lebküchnerhandwerks. Außerdem findet er sich an einem der charakteristischsten Bauwerke auf dem Strehlitzer Ring. Es fehlt eigentlich nur noch, diese Elemente wieder miteinander zu verbinden.
Deshalb lohnt es sich, den Versuch zu unternehmen, den Lebkuchen „Żaba Szczęścia – Glücksfrosch“ wiederherzustellen.
Dabei geht es nicht darum, den Erfolg Toruńs zu kopieren. Strzelce sollte seine eigene Tradition auf der Grundlage seiner eigenen Geschichte entwickeln.
Das Prinzip kann jedoch ähnlich sein.
Der „Glücksfrosch“ könnte werden:
- ein charakteristischer Lebkuchen, hergestellt von örtlichen Konditoren und Bäckern,
- ein offizielles oder inoffizielles kulinarisches Andenken an Strzelce Opolskie,
- ein Produkt für Touristen, die die Stadt besuchen,
- ein Bestandteil von Weihnachts- und Ostermärkten,
- ein Geschenk bei städtischen Feierlichkeiten,
- eine Attraktion für Kinder in Form von Workshops zum Verzieren von Lebkuchenfröschen,
- ein Bestandteil der Erzählungen von Stadtführern über den Strehlitzer Ring,
- ein Element der Werbung für die Stadt und das Strehlitzer Land.
Es könnte auch eine charakteristische Verpackung mit einer kurzen Legende über die Frösche gestaltet werden, die einst die Bewohner der Strehlitzer Burg vor den Mongolen gewarnt haben sollen.
Auf diese Weise würde ein Tourist nicht nur einen Lebkuchen kaufen.
Er würde ein Stück der Geschichte von Strzelce Opolskie erwerben.
Vom Lebkuchen zur lokalen Marke
Der größte Wert des „Glücksfrosches“ liegt in seiner authentischen Verbindung mit diesem Ort.
Der Thorner Lebkuchen ist so bekannt, weil er mit der Geschichte der Stadt, mit Museen, Tourismus, Workshops, Veranstaltungen und dem Verkauf von Andenken verbunden wurde. In den offiziellen Tourismusmaterialien Toruńs wird der Lebkuchen geradezu als ein Produkt dargestellt, ohne das ein Besuch der Stadt kaum vorstellbar ist.
Dasselbe Prinzip lässt sich – selbstverständlich in einem der Größe von Strzelce Opolskie angemessenen Maßstab – auch hier anwenden.
Der Strehlitzer „Glücksfrosch“ besitzt einen zusätzlichen Vorteil: Er ist optisch sehr charakteristisch.
Ein Frosch lässt sich leicht auf einem Lebkuchen, einer Verpackung, einem Plakat, einer Postkarte, einem Magneten oder einem städtischen Werbeartikel darstellen. Außerdem kann er unmittelbar mit dem vorhandenen Brunnen in Verbindung gebracht werden.
Das Potenzial dieser Geschichte beschränkt sich daher nicht allein auf das Konditorhandwerk.
Es könnte ein ganzer „Glücksfrosch-Weg“ entstehen, der von der Erzählung über die mittelalterliche Kastellanei über die Geschichte des örtlichen Lebküchnerhandwerks bis hin zum Brunnen vor dem Rathaus führt.
Das zentrale Element einer solchen Initiative sollte jedoch der echte Strehlitzer Lebkuchen bleiben.
Tradition verpflichtet
Vielleicht ist es nach mehr als hundert Jahren an der Zeit, den „Glücksfrosch“ wieder zu backen.
Nicht als irgendein weiteres Konditoreiprodukt, sondern als bewusste Wiederbelebung eines Teils der örtlichen Geschichte.
Wenn Toruń mit Lebkuchen, Poznań mit dem Sankt-Martins-Hörnchen und andere polnische Städte mit ihren eigenen regionalen Backwaren verbunden werden, dann kann auch Strzelce Opolskie ein Produkt besitzen, das Touristen probieren und mit nach Hause nehmen möchten.
Strzelce verfügt dafür über ein sehr gutes Symbol:
den Frosch, der den Bewohnern einer alten Legende zufolge Glück brachte.
Vielleicht lohnt es sich also, dafür zu sorgen, dass der „Glücksfrosch“ nach vielen Jahren wieder in den Strehlitzer Konditoreien und Häusern und – vor allem – im Bewusstsein der Einwohner sowie der Besucher unserer Stadt heimisch wird.
Bislang ignoriert die lokale Presse dieses Thema allerdings, obwohl mehrfach versucht wurde, ihr die Geschichte des „Glücksfrosches“ zur Veröffentlichung anzubieten.
Das ist sehr schade. Wir hoffen jedoch, dass einer der Redakteure des „Strzelec Opolski“ aufwacht und diese großartige, erinnerungswürdige Geschichte erkennt.
Quelle der lokalen Überlieferungen:
„Hefte von Ernst Morawitzki“ – Übersetzungen aus dem Deutschen sowie vom Verfasser zusammengetragene Materialien.
Gesammelt und bearbeitet von
Norbert Wacławczyk

